Robert Sapolsky. Gewalt und Mitgefühl – die Biologie des menschlichen Verhaltens. (Carl Hansen Verlag) München 2018

Robert Sapolsky ist Neurowissenschaftler und Primatologe und sein Buch ein New York Times Bestseller – zu Recht. Mit Hilfe neurobiologischer Prozesse kann er erklären, warum Menschen fremdenfeindlich sind, warum die Amygdala für Aggressionsverhalten verantwortlich ist und immer ein enger Zusammenhang mit Furcht besteht. Sie feuert bei Schmerz, aber auch bei Unsicherheit oder in Folge schlecht vorhersagbarer Situationen. Sapolsky zeigt, wie Gene, Hormone und eingeübte Rituale und Gewohnheiten unser Denken und Schlussfolgern beeinflussen. Mehr noch, Hierarchie, Gehorsam und Widerstand werden neurobiologisch in den Blick genommen, ebenso Moral und der freie Wille. „Wie so viele andere Tiere verspüren wir oft den verzweifelten Wunsch, uns anzupassen, dazuzugehören und zu gehorchen. Solche Konformität kann außerordentlich maladaptiv sein, weil wir im Namen der Torheit der Vielen bessere Lösungen außer Acht lassen. Wenn wir entdecken, dass wir mit unserer Meinung ganz alleine dastehen, krampft sich unsere Amygdala vor Angst zusammen, unterziehen wir unsere Erinnerungen einer Revision und die Verarbeitungszentren für unsere Sinnesdaten werden sogar gezwungen etwas zu erleben, was nicht wahr ist. Das alles, nur um uns anzupassen“, (S. 617). Vor dem Hintergrund solcher Erklärungen beantwortet sich die Frage leichter: „Warum haben die Menschen dabei mitgemacht?“. Es geht eben oft nicht um bewusste Entscheidungen, sondern um die Bewältigung nicht bewusst wahrgenommener Furcht, die allerdings andere Mechanismen unserer Wahrnehmung und Erinnerung triggert. Wir machen uns die Welt, wie sie uns gefällt, auch wenn uns das auf lange Sicht nicht gut tut.

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