Samuel Pepys. Die Tagebücher 1660–1669. Herausgegeben von Gerd Haffmans und Heiko Arntz, übersetzt von Georg Deggerich, Michael Haupt, Arnd Kösling, Hans-Christian Oeser, Martin Richter und Marcus Weigelt, 9 Bände und ein Begleitband. (Haffmans Verlag bei Zweitausendeins) Berlin 2010

Sein Nachlass brachte sie ans Licht: die geheimen Tagebücher. Stenografierte, in einer erfundenen Sprache aus Englisch, Latein, Griechisch, Französisch, Italienisch, Deutsch und Spanisch verfasste Notizen. Samuel Pepys (1633 bis 1703), der Autor, war Staatssekretär im englischen Marineamt, Abgeordneter des englischen Unterhauses und Präsident der Royal Society. Seine Aufzeichnungen entführen ins London des 17. Jahrhunderts, lassen uns die Große Pest und den Großen Brand miterleben, aber auch und vor allem das (gar nicht so) kleine Leben eines höheren Beamten im Dienste der englischen Krone. Arbeitsalltag und privates Leben, auch heute nicht immer streng getrennt, gehen bei Pepys fließend ineinander über:  Zwischen Kirchgang, Theaterbesuch, Büroarbeit, Einkauf und Kneipe ist die Entfernung kurz. Pepys notiert seine häuslichen und intellektuellen Anstrengungen, seinen Eifer und Einsatz, im Kreis der Very Important Persons mitspielen zu dürfen, sein Vermögen zu vergrößern, manchmal sogar mit nicht ganz legalen Mitteln, die Ausstattung des Hauses teurer, die Kunst- und Bücherbestände umfangreicher, seine Kleidung und Perücken prächtiger werden zu lassen und den lustvollen Verlockungen, vor allem Alkohol und schönen Frauen zu widerstehen. Pepys kämpft, gewinnt häufig – und verliert mehr als einmal. Eine Wonne, ihm (trotzdem und deswegen) dabei zuzuschauen.

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