Expeditionen

 

Wissenschaftliche Arbeiten finden viel zu selten den Weg in die Praxis, zumal in die Verwaltungspraxis. Ob als Seminararbeit, ungedruckte Bachelor- oder Masterarbeit, Manuskriptversion einer zukünftigen Publikation, vieles wird vor allem für die Archive produziert. Dabei finden oft gerade junge Menschen bei ihren Forschungsaktivitäten einen frischen und bemerkenswerten Zugang zu gesellschaftlichen Fragen. In der neuen Rubrik "Expeditionen" stellen wir Papiere vor, die sich für den kritischen Dialog eignen – und die deswegen nicht in einer Schublade verschwinden sollen. 

Polizisten als Täter - Zur Plicht der Verantwortung

von Tobias Bucco

 

Ende der 1960er Jahre meldeten sich in der deutschen Polizei progressive, liberal denkende Führungskräfte zu Wort, die unter anderem über Anforderungen an die „innere Führung“ der Polizei nachdachten. Einer dieser Vordenker war Tonis Hunold. Er äußerte sich in seinem viel gelesenen Werk „Polizei in der Reform. Was Staatsbürger und Polizei voneinander erwarten könnten“ (1968) unter anderem so: „Die freiwillige innere Bindung zur beruflichen Lebensgemeinschaft begründet Mitverantwortung. Letztere erhöht das Selbstvertrauen und spornt wiederum zum Mitdenken und zur Leistung an.“

 

Viel Zeit ist vergangen, seit Hunold seine Gedanken veröffentlicht hat. Aber die immer auch öffentlich diskutierte Frage, wie die Polizei als Trägerin des staatlichen Gewaltmonopols es mit der Ausübung von Gewalt hält, fordert eine dauerhafte Auseinandersetzung damit, welche Bedeutung die Verantwortung des einzelnen Polizisten spielt.

 

Tobias Bucco setzt sich mit dieser Frage auseinander, indem er zunächst einen Blick in die Geschichte wirft: Dass „ganz normale Männer“ als Mitglieder von Polizeibataillonen im Zweiten Weltkrieg zu Massenmördern geworden sind, ist bekannt und mittlerweile intensiv erforscht. Bucco geht der Frage nach dem „Warum?“ mit einem neuen Ansatz nach, indem er Ergebnisse aus der sozialpsychologischen Forschung zur Analyse heranzieht. Die hierbei gewonnenen Erkenntnisse überträgt er auf die Suche nach Ursachen von ungesetzlicher Polizeigewalt heute. Sein Fazit ist eindeutig: Verantwortungsbewusstsein erhöht die Wahrscheinlichkeit, sich unrechtmäßiger Gewalthandlungen zu enthalten und zu verweigern. Die Forderung an die Lehr- und Führungskräfte einer unter den Bedingungen von Rechtsstaat und Remonstrationspflicht agierenden Polizei kann deswegen nur lauten: Verantwortung muss vorgelebt und ganz bewusst und aktiv in Ausbildung, Studium und Berufsalltag jedem einzelnen Organisationsmitglied zur selbstverständlichen, verinnerlichten Pflicht gemacht werden.

 

 

2020-09-30 Expeditionen bucco.pdf
PDF-Dokument [717.6 KB]

Erfassen, Erschließen, Verwalten, Verwenden - Zur Bedeutung der Stasi-Unterlagen-Behörde für die Opfer politischer Verfolgung durch das Ministerium für Staatssicherheit der DDR

von Daniela Vater

 

ePaper
Teilen:
2020-07-30 Exkurse Vater final.pdf
PDF-Dokument [444.4 KB]
Druckversion Druckversion | Sitemap
© Institut Viwa e.V., Witten